Mit verkürzter Lehre zum Traumberuf
Mit verkürzter Lehre zum Traumberuf
# Mit verkürzter Lehre zum Traumberuf
## Viele erwachsene Frauen haben ein Faible für Technik, aber nicht den passenden Beruf.
Mit dem Programm "Frauen in Technik" kann Frau über ihren Schatten springen und den Weg in eine völlig neue berufliche Zukunft beginnen.
Von Carmen Bayer | 07.06.2019
iStock.com/voyata
Will ich das für die nächsten 25 Jahre machen?
fragte sich Bianca immer häufiger, wenn sie an ihren Job als Marktleiterin dachte. Nicht, dass sie unzufrieden wäre oder die Bezahlung nicht passen würde. Aber die Arbeit im Handel fordert. Morgens die Erste die kommt, abends die Letzte, samstags bleibt auch keine Zeit zum Entspannen. Gerade als Leitung musste Bianca immer zur Stelle sein, alles im Blick haben, für alle ein offenes Ohr haben. Das ist viel.
So landete Bianca schließlich im Beratungsgespräch beim AMS. Was sie denn schon immer machen wollte, fragte sie der nette Herr. Biancas Antwort kam ohne lange zu überlegen:
Eigentlich hat mich alles technische schon immer interessiert.
Und das war genau das, was ihr Berater hören wollte. Zufrieden lächelnd erzählte er Bianca vom Programm [Frauen in Technik](https://www.frau-und-arbeit.at/index.php/beratung/frauen-in-technik) und schickte sie weiter zum Team von [Frau und Arbeit](https://www.frau-und-arbeit.at/). Der erste Schritt in Richtung Veränderung war getan.
### Mut zur Veränderung
Nach der Erstberatung bei Frau und Arbeit war schnell klar, dass sie perfekt in das FiT Programm passt. Und schon fand sich Bianca in der [Basisqualifizierung am BFI](https://www.bfi-sbg.at/uber-uns/bildungsprojekte/fit-mut) wieder. Dort lernen die Teilnehmerinnen neben den technischen Basics auch die neuen Bewerbungsrichtlinien kennen und setzen sich gemeinsam mit Berater_innen intensiv mit der neuen Berufswahl auseinander.
Bianca hätte ein handwerklicher Beruf zwar sehr gereizt aber die Jobaussichten als Tischlerin sind nun mal eher mau. Wissend, dass sie ein Organisationstalent ist (eine Fähigkeit, die sie als Marktleiterin perfekt beherrscht) galt es, die Verbindung zwischen Technik und Management zu finden.
Wieser Verkehrssicherheit
### Die Ausbildung zur Technischen Zeichnerin
Ihre Wahl fiel auf die Ausbildung zur Technischen Zeichnerin. Das Ziel war gefasst, nun galt es, konkrete Schritte zu setzen. Bestimmender Teil des FiT-Programmes ist das Praktikum, wobei Praktikum eigentlich das falsche Wort ist. Denn dort arbeitet Frau Vollzeit. Wie bei einer regulären Lehre mit Berufsschule also. Doch ganz gleich wie viele Bewerbungen Bianca schrieb, einen Praktikumsplatz fand sie nicht.
Warum tu ich mir das an?
fragte sie sich oft. Doch ihr Prinzip, etwas Angefangenes auch zu beenden, motivierte sie durchzuhalten. Kurz vor Beginn des Praktikums fand Bianca schließlich mit Unterstützung ihrer Beraterin am BFI eine Stelle in der Haustechnik. Ein Glückstreffer wie sich herausstellte. Schnell durfte Bianca selbstständig arbeiten und wurde fester Bestandteil des Teams.
### Plötzlich wieder Schülerin?!
Die Arbeit in der Technik hat Bianca keine schlaflose Nacht bereitet. Sie wusste, was sie kann und hat sich schon vor FiT leidenschaftlich gerne mit ihrem Partner über seine Arbeit in der Haustechnik unterhalten.
Die Berufsschule stand auf einem anderen Blatt.
Nach 25 Jahren zum ersten Mal wieder Schülerin sein. Davor hatte Bianca Respekt. Und auch, wenn sie in Mathematik immer gut war, entschloss sie sich, die Sache mit der Schule ruhig angehen zu lassen und in der Standardgruppe bereits Gelerntes nochmal aufzufrischen.
Auch die Altersverteilung in der Klasse war bunter als erwartet. Es gab ein paar „klassische“, junge Lehrlinge, einige, die sich mit Mitte 20 für eine neue Ausbildung entschlossen haben aber auch jene über 35 Jahre.
Die Schule war eigentlich eine schöne Zeit. Man ist zwar froh, wenn es vorbei ist, aber dennoch war es schön.
Nach drei Jahren Berufsschule und Praktikum war die verkürzte Lehrzeit für Bianca am Ende und damit war es an der Zeit für die Lehrabschlussprüfung. Die machte sie kurzerhand in Innsbruck weil sie auf den späteren Termin in Salzburg nicht warten wollte. Drei Tage 100 prozentiger Einsatz, Aufregung und schließlich grenzenlose Erleichterung und Freude, als alles geschafft war.
### Als Technikerin am Arbeitsmarkt
Karten auf den Tisch. Wie geht es Frauen in technischen, meist männerdominierten Berufen? Lebt das Klischee oder ist das alles längst Vergangenheit?
Gar nicht so einfach zu beantworten meint Bianca. Während ihrer Ausbildung wurde sie von allen, Männern wie Frauen, wertgeschätzt und hat auch viel positiven Rückhalt und vor allem Verantwortung von ihren Vorgesetzten erfahren. Natürlich gibt es Brachen, in welchen Männer im ersten Moment eher veralten bis skeptisch auf eine Frau (zum Beispiel auf der Baustelle) reagieren. In diesen Fällen muss Frau dann halt selbstbewusst auftreten und sich in ihrem Gebiet auskennen, denn unterm Strich wird Kompetenz immer anerkannt.
In ihrem aktuellen Job als Planerin bei einem Verkehrssicherheitsunternehmen hat Bianca keine Erfahrungen mit unangenehmen Erlebnissen als Frau in der Technik gemacht. Gelernt hat sie dennoch viel.
Denn, wie es in jeder Branche und jedem Beruf nun mal ist, bringt jede neue Stelle neue Anforderungen mit sich. Biancas Umgang mit dieser Situation: 110% geben, sich die Arbeit auch wirklich zutrauen um im Tun mitzulernen und natürlich viel selbst recherchieren und bei Bedarf nachfragen.
### Von Frau zu Frau:
* Trau dich! Du erfährst es nur, wenn du es ausprobierst. Wenn es mit deinen Plänen nichts wird, weißt du es wenigstens!
* Wir (Frauen) müssen uns viel mehr zutrauen! Bei Stellenausschreibungen zum Beispiel: Frauen bewerben sich nur, wenn sie wirklich alle Anforderungen im Inserat erfüllen, aber das muss nicht sein!
* Zum Thema Geld: Bei Gehaltsverhandlungen hab ich mir angewöhnt ein bisschen wie ein Mann zu denken, der geht auch nicht von seinen Ansprüchen rund ums Geld runter.
[](https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)
Dieser Text ist unter [CC BY 4.0 International](https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/) lizenziert.
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von Carmen Bayer
Autorin
### Carmen Bayer
Carmen Bayer, Sprecherin der Salzburger Armutskonferenz, wundert sich oft über gesellschaftliche Entwicklungen und schreibt darüber. Nebenher studiert sie Politikwissenschaften und verbringt ihre freie Zeit bevorzugt mit Büchern, Musik und sehr gerne auch mit gutem Essen. Sprachlos ist sie eher selten.
[Alle Artikel von Carmen Bayer](https://www.bildungsbuch.at/autoren/carmen-bayer/)
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